Selbstverständnis

POSTOST-MIGRANTIFA – Ostblock Fights Back

Wer wir sind:

Wir sind eine Gruppe von Menschen mit diversen Backgrounds und Geschichten. Uns eint, dass wir selbst oder unsere Eltern aus Gegenden nach Deutschland kamen, die hierzulande als sogenannter „Ostblock“ bezeichnet werden. Manche von uns kamen in den 1980er und 1990er Jahren, manche erst 2019 und manche sind hier geboren. Manche haben ihr Leben lang mit zahlreichen Fremdbezeichnungen gelebt, andere wurden in ihrer migrantischen Identität von Almans immer übersehen.

Damit ist jetzt Schluss. Nun wollen wir die Definitionsmacht ergreifen und begeben uns auf die Suche nach neuen kollektiven Selbstbezeichnungen für unsere Erfahrungen und Identitäten – PostOst könnte eine erste sein, die bewusst nicht an nationale Grenzen gebunden ist. Wir wollen linke Narrative unserer Geschichten sichtbar machen und haben keinen Bock mehr auf die platte Sowjetfetischisierung in der deutschen Linken. In dieser linken Szene haben wir selbstorganisierte Strukturen von Menschen mit PostOst-Bezug bislang vermisst.

Und was machen wir jetzt?

Wir möchten einen Raum schaffen, in dem wir uns empowern und unsere Geschichten teilen können. Mit unserer Migrationsgeschichte gehen oft Erfahrungen von Armut, Stigmatisierung und Diskriminierung einher. Nebst der Politisierung unserer eigenen migrantischen Erfahrung in Deutschland wollen wir die Lebensrealitäten aus den Gegenden, wo wir oder unsere Familien herkommen, sichtbar machen und diskutieren. Dabei erkennen wir, dass sich historische Kontexte der einzelnen Herkunftsländer, Minderheitserfahrungen sowie Religionszugehörigkeiten unterscheiden: Nicht alle Menschen, die einen Bezug zu PostOst haben, sind weiß, postsowjetisch oder christlich-orthodox. Wir wollen uns mit antislawischem Rassismus in der deutschen Gesellschaft und mit der historischen Konstruktion Weiß-Sein in migrantisierten Kontexten kritisch auseinandersetzen. Wir wollen queere, jüdische und muslimische Perspektiven in politische Diskurse einbringen und uns austauschen. 

Als Gruppe verstehen wir uns als queerfeministisch, antikapitalistisch und antifaschistisch. Wir führen Kämpfe gegen Klassismus, Ableismus und Rassismus und machen bei der Spaltung in „gute und schlechte Migrant*innen“ nicht mit. Uns ist bewusst, dass Identitäten und Lebensverhältnisse als komplex und Unterdrückungsformen intersektional zu betrachten sind. Wir pöbeln gegen Rechts. Wir streben nach Desintegration und wollen nicht als Diversity-Aushängeschilder in deutschen Institutionen missbraucht werden.

 

Side Note:

Menschen, die in der ehemaligen DDR sozialisiert wurden, können ebenfalls eine Form von Migrationserfahrung haben, die sich an den sogenannten „Ostblock“ anschließt. Dennoch haben wir uns als Gruppe dazu entschieden, diese Erfahrungsräume voneinander zu trennen. Falls das Bedürfnis besteht, sich mit Menschen auszutauschen, die Erfahrungen solcher Art gemacht haben, können wir gerne zur gegenseitigen Vernetzung beitragen.